Gott tut Wunder

Gott tut Wunder

Andreas Boppart

Andreas Boppart

„Mama, setz dich hin, ich muss dir etwas sagen.“ Meine Mutter sass aber schon, mit ihrem Telefonhörer in der Hand. „Ich werde meine Stelle als Lehrer aufgeben und von jetzt an Predigen“. Auf alle möglichen Einwände ihrerseits war ich gefasst – nur nicht, auf ihre tatsächliche Reaktion: „Das habe ich gewusst.“ Anstatt bei ihr die erwartete Überraschung zu spüren, war ich nun ziemlich perplex. Und meine Mutter begann mir eine Geschichte zu erzählen, die sie mir die ganzen 24 Jahre noch nie wirklich so erzählt hatte.

Start ins Leben

„Als du auf die Welt kamst, fanden wir rasch heraus, dass bei dir etwas nicht in Ordnung war. Du hattest Bewegungsstörungen, bedingt durch eine Schädigung des Hirns aufgrund der schnellen Geburt, wie der Arzt annahm. Normale Reflexe haben bei dir nicht funktioniert, du konntest nichts greifen und wenn man dich irgendwo hinlegte, konntest du dich nicht vom Rücken auf den Bauch drehen.“ Es gab aber noch weitere unangenehme Nebenwirkungen. Ich bekam Schreikrämpfe, bei denen mir die Luft wegblieb bis ich blau anlief und nur durch das rasche Eingreifen meiner Eltern konnte ich wieder atmen. Oft hatten sie in der Situation das Gefühl, mir jetzt endgültig nicht mehr helfen zu können. Aber meine Eltern beteten für mich und als ich etwa ein Jahr alt war, luden sie ein Ehepaar aus der Leitung einer Kirche ein, um für meine Heilung zu beten zu und mich mit Öl zu salben, wie es in der Bibel vorgeschlagen wird. Meine Mutter betete damals:

„Lieber Gott, wenn du meinen Sohn nicht gesund machst, dann werde ich das jetzt akzeptieren. Wenn du ihn aber heils, dann soll sein ganzes Leben dir gehören“

Die Heilung

In den Monaten und Jahren darauf verschwanden die Einschränkungen. In den ersten Schuljahren zeigte sich dann, dass auch im Hirn alles wieder völlig normal war. „Und deshalb“, beendete meine Mutter hörbar bewegt ihre Ausführungen, „habe ich gewusst, dass es so kommen wird – weil Gott mein Gebet ernst genommen hat.“ Nach Worten ringend und mit Tränen in den Augen umklammerte ich den Hörer. Dieses eine Gebet hat mein Leben zutiefst geprägt.

Mehr als nur Glück

Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar für alle Gebete – die mir ein normales Leben ermöglicht haben, vom Studium, über ganz viel Sport und Musik bis hin zur eigenen Familie. Nach mehr als 30 Jahren hatte ich den bereits pensionierten Kinderarzt am Telefon, der mich damals untersucht hatte. Dreimal fragte er verwundert nach, ob jetzt wirklich alles funktioniert bei mir, ich Sport machen kann und die Schule normal absolvieren konnte. Als ich ihn von meiner Leidenschaft für Volleyball und meinem Sekundarlehrer- und dem anschliessenden Theologiestudium erzählte, meine er sichtlich bewegt: „Da haben sie grosses Glück gehabt.“ Ich weiss, dass es mehr ist, als nur einfach „Glück“. Da steckt ein Gott dahinter, der es liebt, Leben zu schenken und Menschen aus ihren Begrenzungen herauszuführen.