Neudenken

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Sara Rhyner

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Name: Sara Rhyner

Meine Familie: Mein Ehemann Christoph, meine Eltern und zwei ältere Geschwister mit Familie.

Hier wohnen wir: Grabs

So alt bin ich: 37

Meine liebste Freizeitbeschäftigung: Nähen, Lesen, Zeichnen

Mein letztes Buch: Escape von David Baldacci

Mein letzter Film: The Secret Life of Pets

Mein Job bei Campus: Leiterin CDK (Christen im Dienst an Kranken)

Ich bin bei Campus seit: August 2015

Ich liebe an Campus: Die Vielfalt

Weihnachten oder Ostern? Weihnachten

Viel oder wenig? Viel (ausser bei Deko)

Tee oder Kaffee? Je nach dem.

Ein Lebenstraum von mir: Mit der transsibirischen Eisenbahn durch Sibirien

Manchmal kann ich nicht schlafen, wenn… ich nicht müde bin.

Jesus und ich: unbeschreiblich

Kurz und Gut mit Sara Rhyner (Amen Magazin Frühling 2017)

Von Viviane Herzog

 

Sara, gehen wir gemeinsam 15 Jahre zurück. Welche Lebensbilder treffen wir da bei dir an?

Damals war ich gerade fertig mit der Ausbildung. Für mich war ganz klar, wie mein Leben nun verlaufen wird. Ich werde einen Mann finden, ihn heiraten und mit ihm früh Kinder haben.

Das klingt recht zielstrebig.

Es war meine feste Überzeugung. Ich wollte so gerne Hausfrau sein. Ich wusste, dass ich darin wirklich gut sein werde.

Und ging der Plan auf?

Da ich den passenden Mann erst mit 30 fand, geriet mein Plan etwas in den Rückstand. Und als es dann mit den Kindern nicht klappte, wurde er ziemlich auf den Kopf gestellt.

Klingt so, als hättest du dein Denken ganz neu ausrichten müssen.

Absolut. Wir mussten uns irgendwann dafür entscheiden, die gegebene Situation zu akzeptieren. Wir wollten keine Pflegekinder; auch Adoption oder diverse medizinische Methoden kamen für uns nicht in Frage.

Wie ging es dann weiter?

Ich musste den Kinderwunsch loslassen. Fragen wie «Wer organisiert meinen achtzigsten Geburtstag?», beschäftigen mich. Vielleicht ist mein Mann dann ja dement und hat schon längst vergessen, wann ich Geburtstag habe.

Hat diese Veränderung in den Gedanken auch eine Veränderung in deinem Leben mit sich gebracht?

Ja, ich habe meinen Job gekündigt und einen neuen angenommen. Das war eine Teilzeitanstellung mit versprochener Steigerung in den Arbeitsprozenten. Diese blieb jedoch aus.

Was hast du mit der freien Zeit gemacht?

Ich konnte mein Traum vom Hausfrausein ausleben. Ich habe mich um unser Zuhause gekümmert, für Freundinnen Kinder gehütet, Sachen geflickt – ach, alles Mögliche!

Dann ging doch noch ein Teil deines Traumes in Erfüllung.

Ja, genau! Ich fand jedoch heraus, dass mein Mann eigentlich die bessere «Hausfrau» ist als ich.

Echt?

Ja, er kocht viel besser als ich. Ich bin gut im Putzen.

Die perfekte Kombination!

Total. Es war für mich trotzdem sehr wichtig, auch ohne Kinder diese Zeit daheim zu verbringen.

Konnten andere dieses Bedürfnis nachvollziehen?

Begrenzt. Es ist für unsere Zeit schon ein ungewöhnlicher Lebensentwurf.

Wie kam es dazu, dass du heute die Leiterin von CDK bist?

Nach zwei Jahren Hausfrau-Sein hat Boppi mich gefragt, ob ich nicht bei CDK anfangen wolle. Ich wollte, und so hat eines das andere ergeben.

CDK unterstützt und fördert Angestellte aus dem Gesundheitswesen. Welche Paradigmen findest du in dieser Branche vor?

Viele reden so, als hätten sie den schlimmsten Beruf auf der ganzen Welt. Sie leben in einer Opferrolle.

Woher kommt das?

Es ist tatsächlich nicht so toll, Exkremente aufzuwischen. Dazu kommen der Kostenspardruck und der Zeitdruck, die ständig zunehmen. Die Arbeit ist manchmal körperlich sehr anstrengend, die Schichtarbeit ist unpraktisch. Trotzdem kommt es vor, dass man sich dann mit seinen Überstunden wie einer Medaille schmückt.

Welchen Paradigmenwechsel wünschst du dir für diese Leute?

Weniger Opfermentalität, mehr Engelbewusstsein. Denn so sehen uns die meisten Patienten, als Engel.

Stark!

Ich glaube, dass viele der Leute in den Job berufen sind. Es ist für sie kein Beruf wie für viele andere. Es steckt mehr dahinter! Aus dieser Perspektive sollten wir denken: Gott hat uns in das Gesundheitswesen berufen und von da aus agieren und wirken wir. Wir sind keine Opfer.

Hat der Wechsel zur Geschäftsfrau einen weiteren Paradigmenwechsel bei dir ausgelöst?

Sicher. Davor wirkten Frauen in Leitungspositionen auf mich stets hart und total erfolgsorientiert. Das hat mich abgeschreckt.

Und heute?

Da ich nun selbst eine Leiterin bin, merkte ich, dass Frauen diese Rolle total unterschiedlich ausfüllen können. Man darf nicht alle Frauen in Leitungspositionen in denselben Topf werfen.

Wo fordert dich Gott aktuell heraus, in ein neues Denken zu wachsen?

Ich lerne gerade Dinge einfach stehen zu lassen und nicht daran zu rütteln. Damit meine ich vor allem Einstellungen und Ansichten, die ich nicht nachvollziehen kann.

Warum fällt dir das schwer?

Weil ich selbst stets erlebt habe, dass Veränderungen Gutes bewirken. Also wirke ich gerne auf Veränderungen hin. Aber Gott lehrt mich gleichzeitig ihm das Timing zu überlassen.