Impulse für Christen im Gesundheitswesen
Ausgabe 2 | 2013
Von Jens Kaldewey
Der Himmel - eine weisse Fläche?
Ein langjähriger treuer Christ hat meiner Frau auf die Frage nach seiner Himmelsvorstellung gesagt: «Wenn ich an den Himmel denke, dann sehe ich nur eine weisse Fläche …» Na ja, immerhin weiss und nicht schwarz oder grau! Eine typische Antwort: Irgendwie ist der Himmel wohl schön, hell, strahlend - aber das war’s dann auch schon …
Gibt es nicht doch mehr zu sagen?
Ein alter, pensionierter Heilsarmeeoffizier nahm an einem unserer Himmelsseminare «Das Schönste kommt noch» teil. In der Pause sassen wir zusammen und schwatzten. Da meinte er zu meinem grossen Erstaunen: «Ich habe mein ganzes Leben lang noch nie eine Predigt über den Himmel gehört.» Kann das sein?! Ja. Wir hören von ewigem Leben und ewiger Seligkeit, von Errettung und Entrückung (vielleicht), vom Sein bei Gott und von der «Hochzeit des Lammes». Vor allem hören wir, dass wir, wenn alles gut geht, irgendwie da oben im Himmel herumschweben werden. Aber was dieser Offizier gemeint hat, war: Wir hören nicht konkret, wir hören nicht wirklich, wir hören nicht genau. Es wird nicht ausgemalt, es bleibt eine Skizze mit hellgrauem Stift. Die Farben und die klaren Umrisse fehlen. Es bleibt ungenau, verschwommen, schemenhaft.
Der Himmel ist mehr als eine weisse Fläche
Diese Fläche wird nun in letzter Zeit zunehmend bemalt von zahlreichen Berichten über Nahtoderlebnisse oder Himmelsvisionen in verschiedenen Büchern und Artikeln, z.B. in dem Bestseller «Den Himmel gibt’s echt – Die erstaunlichen Erlebnisse eines Jungen zwischen Leben und Tod» (von Todd Burpo und Lynn Vincent). Endlich wird es mal konkreter. Das ist immerhin etwas. Der kleine Colton, vier Jahre alt, darf nach einem geplatzten Blinddarm, der ihn «zwischen Leben und Tod» schweben lässt, sozusagen im Himmel herumspazieren. Er sieht und hört dort eine Menge. Er kann es benennen und beschreiben und berichtet es ausserordentlich glaubwürdig seinen Eltern. Ganz offensichtlich ist der Himmel mehr als eine weisse Fläche, es ist eine faszinierende, atemberaubende,
«bunte» Welt. Nun kommt der Haken, besser gesagt, es kommen zwei Haken. Erstens: Colton und viele andere mit ihm waren letztlich immer noch «zwischen Leben und Tod». Es waren, und ich bin wirklich dankbar für diese präzise Bezeichnung, Nah-Toderlebnisse und keine Nach-Toderlebnisse – ein wesentlicher Unterschied. Diese Ereignisse haben sich in der Nähe des Todes, während des Sterbens oder kurz nach dem «Tod», im Sinne der Feststellung eines Herzstillstandes oder des Aufhörens der Atmung, abgespielt. Wir wissen heute, dass es nicht so einfach ist, zu einer klaren Feststellung eines eindeutigen Todes zu gelangen. Zweitens: Wir haben alle möglichen Nahtodberichte, sie ähneln sich, sind aber auch sehr verschieden. Es sind subjektive Erlebnisse. Katholiken sehen z.B. oft Maria oder Heilige. Warum gerade sie? Es hat mit ihrer Lebenserfahrung zu tun. Wie dem auch sei, wir sollten uns nicht allzu sehr darauf verlassen. Es sind beschränkte Berichte. Deshalb habe ich mich als Theologe und Bibellehrer schon vor Jahren entschlossen, an die Bibel selbst und nicht an Nahtodberichte die Frage zu stellen: Was ist auf der weissen Fläche?
Wie genau ist der Himmel?
Wenn man so ernsthaft fragt und die Bibel diesbezüglich erforscht, stellt man fest, wie viel Konkretes, Farbiges, «Plastisches» und Anschauliches dort über den Himmel gesagt wird. Man muss genau hinschauen, lernen, die biblische Bildsprache ein wenig zu entschlüsseln und mit ein wenig Phantasie in die verwendeten Begriffe eintauchen. Mein Sohn Simon ist mir diesbezüglich gefolgt und hat im Rahmen seines Theologiestudiums eine Arbeit mit dem Titel «Der konkrete Himmel – Was Jesus den Überwindern verheisst» geschrieben. (Daraus ist ein Buch entstanden, zu beziehen bei: j.kaldewey@gmx.ch) Er bleibt ganz nahe an der Heiligen Schrift und legt konsequent und gründlich die sogenannten Überwinderstellen der Offenbarung aus, z.B. Offb 2,17 «Wer überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben; und ich werde ihm einen weissen Stein geben und, auf den Stein geschrieben, einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt».
Hier steht so viel verdichtet und in symbolisch-bildhafter Form über den Himmel geschrieben!
Das Manna: Wir werden im Himmel, ähnlich wie die Israeliten, fortwährend in immer neuen «täglichen» Portionen umfassend an Leib, Seele und Geist ernährt werden. Es ist verborgenes Manna, d.h. jetzt ist es noch nicht erkennbar, fassbar, fühlbar, aber es ist schon da und wird dann offenbar. Unsere
im Himmel rundum erneuerten Geschmacksnerven werden es schmecken können …
Der weisse Stein: Das greift auf eine alte Tradition bei den griechischen Gerichtsverhandlungen zurück – wer freigesprochen wurde, ledig aller Anklage,
erhielt einen weissen Stein. Im Himmel gibt es keinerlei Anklagen mehr. Jetzt hören wir sie noch, müssen uns damit auseinandersetzen, dann aber sind sie ein für alle Mal verstummt.
Einen neuen Namen: Unser eigentliches Wesen, unsere tiefste Identität, kommt endlich zum Vorschein. Jede Verfälschung, jede Maske wird abfallen. Im Licht des Angesichts Christi (denn ER gibt uns den Namen) erkennen
wir uns, wie und wer wir wirklich sind – und werden begeistert sein. Das war jetzt eine kleine Kostprobe. Noch so viel mehr wäre zu sagen, zum Beispiel, dass wir eigentlich gar nicht in den Himmel kommen, sondern der
Himmel kommt zu uns auf die Erde! Wir werden auferstehen – aber die Erde auch. Wir bleiben also erdverbunden. Apropos Erde: Wir werden nach Offb 21–22 auf einer neuen Erde wohnen und auf dieser Erde wird es das neue Jerusalem geben, Heimat und Wohnung der Anhänger von Jesus und ausserhalb der Stadt, aber mit freiem Zugang zur Stadt, wird es Nationen geben. Ja, Sie haben richtig gelesen: Nationen. «Und die Blätter des Baumes werden den Nationen zur Heilung dienen» (22,2). Eine klare Andeutung, dass auf die Nationen in der neuen Welt noch eine Entwicklung wartet! Der Himmel ist definitiv mehr als eine weisse Fläche. Wer «gluschtig» geworden ist, dem sei das CDK-Seminar (siehe unten) oder das Ländli-Seminar «Himmel, Hölle, Hoffnung» (18.10.–20.10. und/oder 21.10.– 25.10. in Oberägeri) empfohlen, beide Seminare mit Jens und Kathi Kaldewey.
