Beziehung zu Gott … aus der Sicht der Bibel
von Tabea Fitze
Das Höchste Gebot Gottes:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Matthäus 22,37-39
1. Beziehungen im Zentrum der biblischen Offenbarung
Als erstes sagte Gott in 1.Mose 1,26 über den Menschen, den er erschaffen wollte: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich ist.“ Der Mensch ist also dazu erschaffen worden, ein „Gottabbilder“ zu sein, d.h. sein Leben und seinen Charakter nach dem Bild Gottes zu gestalten. Dieser Gott, den der Mensch widerspiegelt, ist ein Gott ewiger, unendlicher Beziehungen zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Zum zweiten sagte Gott in 1.Mose 2,18: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Von nun an ist der Mensch in der Bibel immer ein Beziehungsmensch. Allein sind wir schutzlos und nichts jagt uns mehr Angst ein als die Einsamkeit.
2. Lebendig oder tot
Lebendig zu sein heisst: mit Gott, der Quelle des Lebens, in Beziehung zu stehen. Die Trennung von Gott, d.h. die Entfernung von der Quelle des Lebens, kommt dem Tod gleich. Siehe 5.Mose 10, 12-13 und 20; Jakobus 2,26; 1.Joh. 4,12. Ich kann herumlaufen, lachen, essen, streiten und schlafen, dabei aber tot sein. Es kommt ausschliesslich auf meine Beziehung zu Gott an. Sogar ein Begriff wie „die Furcht des Herrn“ drückt eigentlich nicht Ehrfurcht oder Erschrecken in der Gegenwart des Göttlichen aus, sondern die Qualität einer Beziehung. Im Althebräischen bedeutet „den Herrn fürchten“ seine Gebote halten, auf seinen Wegen wandeln, auf seine Stimme hören, bei ihm bleiben, ihn lieben und ihm dienen. Somit ist es nicht erstaunlich, dass die Furcht des Herrn als Anfang aller Weisheit und wichtigste Grundlage aller Erkenntnis bezeichnet wird.
3. Meine Beziehung zu Gott
Gott möchte zweifellos eine lebendige Beziehung zu uns haben und hat alles dafür Erforderliche schon getan: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass es seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16) Die echte Beziehung entsteht aber nur dann, wenn wir dieselbe Bereitschaft zeigen. In diesem Augenblick, wo unser Geist mit dem Heiligen Geist Gottes in Berührung kommt, erleben wir, was ewiges Leben bedeutet und trinken von der Quelle des lebendigen Wassers. Dies kann zur Realität in unserem Leben werden, wenn wir uns ohne Vorbehalte Gott hingeben, ihn um Vergebung für unsere Sünden bitten, uns mit unserem Geist nach ihm ausstrecken und bewusst und beständig eine echte Beziehung zu ihm aufbauen. Es ist wichtig, dass wir ihm im Herzen näher kommen, beim Beten wirklich innerlich beteiligt sind und seine Gegenwart erleben. Das Erstaunliche dabei ist, dass Gott uns genauso entgegenkommt.
4. Beziehungskategorien
1.Mose 1, 26-28 gilt allgemein als Schöpfungs- oder Herrschaftsauftrag Gottes an den Menschen in Bezug auf die übrige Schöpfung. „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
In 1.Mose 2, 18 schaute Gott im Garten Eden auf Adam und sagte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.…Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.“ Hier steht also die Gemeinschaft im Mittelpunkt.
5. Verschiedene Vertrauensebenen
Jesus hatte zwei Gruppen von Jüngern, die 72 und die 12. Sein Verhältnis zu den Zwölfen war viel enger als zu den 72, und innerhalb der zwölf gab es noch einmal drei, denen er besonders nahe stand. Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes an Orte mit, an denen die anderen neun nicht dabei waren und besprach Dinge mit ihnen, die den übrigen Jüngern nicht zu Ohren kamen. Eine der drei Beziehungen wiederum zeichnete sich durch eine besondere Nähe aus. Der Jünger Johannes „lag beim Abendessen an seiner Brust“. Die Stiftshütte in der Wüste stellt ein gutes Modell für verschiedene Arten von Beziehungen dar. Sie bestand im Wesentlichen aus drei Bereichen:
- dem Vorhof, den jeder Israelit betreten durfte
- dem Heiligsten, zu dem nur die Priester Zugang hatten
- dem Allerheiligsten, das den Hohepriestern vorbehalten war
Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 1/2005
