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ER füllt: Das Erlebnis der Frau am Brunnen

von Willi Wagner, Pastor der FEG, Langenthal

 

Wasser des ewigen Lebens, die Frau am Brunnen (Joh.4,14)

Wir befinden uns ca. im Jahr 30 n. Chr. Eine Frau in den „biblischen“ Gefilden des Nahen Ostens, genauer in Sychar im „Niemandsland“ Samarien, macht sich in der grössten Mittagshitze auf den Weg zum Dorfbrunnen. Zur heissesten und somit auch ungünstigsten Zeit will sie Wasser schöpfen. Warum ausgerechnet jetzt? Höchstwahrscheinlich wollte sie niemandem begegnen. Sie hat das Gerede und Getuschel satt. Sie erträgt die unangenehmen Fragen nicht mehr. Sie will allein sein. Völlig überrascht stellt sie jedoch fest, dass bereits jemand anders die Zeit der Einsamkeit nützt. Umkehren wäre peinlich. Sie stellt sich der Begegnung. Und schon bittet sie der Fremde: „Gib mir zu trinken!“

 

Der Schock sitzt tief. Ein Mann bittet ausgerechnet SIE um Wasser. Ausserdem scheint er Jude zu sein. Ein jüdischer Mann spricht mit einer samaritanischen Frau. Das gleicht einem doppelten Skandal. Erstens spricht ein Mann im Orient nicht so „mir nichts dir nichts“ eine Frau an und schon gar nicht eine Samariterin. Juden verachteten Samariter.

Es bleibt nicht beim Wasserschöpfen. Sie reden über so manch Alltägliches. Schliesslich landen sie beim Wasser, bei der Wasserqualität, beim immer wiederkehrenden Durst. Da bemerkt der Fremde: Joh 4,13.14: „… Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Kein vernünftig denkender Mensch wird dieses Angebot ablehnen, auch diese Frau nicht. Die Antwort folgt schnell: „Gib mir von diesem Wasser, damit ich nie mehr durstig bin und nicht immer wieder herkommen und Wasser holen muss.“

Als bester Seelsorger der Welt sieht Jesus den eigentlichen Durst dieser Frau: „Du willst von diesem Wasser? Dann geh und hol deinen Mann!“ „Ich habe keinen Mann“, antwortet sie kurz. Aber Jesus, der Sohn Gottes, lässt nicht locker. Er will an die Wurzel. Die Frau ist todunglücklich. Fünf Männer hatte sie gehabt und der jetzige ist auch nur ein „Lebensabschnittspartner“. Er ist bloss ein weiterer Versuch, endlich den Durst nach Leben zu stillen.

 

Wahrlich, sie hatte es sich nicht leicht gemacht. Immer wieder startete sie einen neuen Versuch. Sie wurde betrogen und sie betrog wohl auch. Andere versuchen den Durst in Geld, Karriere, Rausch, Auto und anderen Dingen zu stillen. Diese Ersatzdurststiller haben hunderte von Namen.

Wann ist ein Mensch glücklich? Wann?

- Wenn er endlich in die Schule gehen darf?

- Wenn er die Schule endlich los ist?

- Wenn er eine Freundin bzw. sie einen Freund hat?

- Wenn er ein Haus besitzt?

- Wenn er einen guten Job hat?

- Wenn er pensioniert ist?

- Wenn er einen Arzt des Vertrauens gefunden hat?

- Wenn…

 

Der Durst nach Leben ist nichts anderes als der Durst nach Ewigkeit. Jesus macht der Frau ein Angebot. Es gilt heut noch genauso: „Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken.“ Im letzten Buch der Bibel lesen wir Ähnliches: „Wer durstig ist, der soll kommen. Jedem, der es haben möchte, schenke ich das Wasser des Lebens.“

Jesus schenkt Ewigkeit, die heute beginnt. Jesus bietet der Frau Vergebung ihrer Schuld an. Er bietet sie uns heute an. Dafür liess er sein Leben. Dafür ist er auferstanden. Er will und er kann den letzten Durst nach Leben stillen. Damit sind noch nicht alle Probleme des Alltags gelöst. Natürlich nicht! Eine Frau bleibt eine Frau mit allen Wünschen und Sehnsüchten. Und ein Mann bleibt ein Mann. Trotzdem, es gibt Grösseres und es gibt Ewiges. Jesus Christus allein gibt ewiges Leben und gibt Sinn für das Leben auf dieser Erde wo auch immer wir sind und was auch immer wir erleben.

 

Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 4/2004

 

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