Für die Zukunft gewappnet - acht Lektionen
von Hanspeter Nüesch, Leiter von Campus für Christus Schweiz
Die Welt hat sich verändert und wird sich weiter und schneller verändern. Zunehmend wird alles erschüttert werden, damit das Unerschütterliche umso besser zum Vorschein kommt. Es ist zu unserem Wohl, wenn auch wir Christen erschüttert werden. Gott möchte uns dadurch helfen uns falscher Krücken zu entledigen.
Was gilt es, angesichts der schnellen Veränderungen zu lernen?
Was jetzt dran ist, können wir nur erkennen, wenn wir nahe an Gottes Herzen leben und in seinem Wort verwurzelt sind. Wenn wir eine innige Gemeinschaft mit Gott pflegen, werden uns auch starke Winde nichts anhaben können. Im Gegenteil: Wir werden fähig sein, anderen zu helfen, deren Lebensfundament erschüttert wurde und werden für alles, was noch kommt, die nötige Kraft bekommen. Gleichzeitig müssen wir heute unser Leben so gestalten, dass wir für morgen bereit sind.
1. Wir müssen konstant hinzulernen.
Unsere Lernfähigkeit wird entscheidend sein, ob unser Leben und Dienst in Zukunft vor Gott bestehen kann und Früchte trägt. In den kommenden Jahren ist kaum eine Fähigkeit wichtiger, als dauernd hinzuzulernen und unser Leben und Tun den veränderten Umständen anzupassen. Es braucht Demut, um bereit zu sein, alte Muster in Frage zu stellen und neue Verhaltensweisen einzuüben. Die Bereitschaft, auf Altes, scheinbar noch so Bewährtes, zu verzichten, ist die Voraussetzung, um offen zu sein für Gottes neue Wege mit uns. Offenheit und Flexibilität sind wichtige Voraussetzungen, um in Zukunft geistesgegenwärtig handeln zu können.
2. Wir müssen das Zentrum im Zentrum behalten.
Es geht in Zukunft nicht mehr so sehr um einzelne Teilwahrheiten. Es geht um Jesus, die Wahrheit. Alle Werke und Dienste, die auf irgendwelchen Teilwahrheiten und nicht der Wahrheit aufbauen, werden nicht bestehen können. Alles muss sich um Jesus als Herrn drehen, in dem alle Weisheit und alle Erkenntnis ist (Kolosser 2,3). Jede Teilerkenntnis, die auf Kosten von anderen biblischen Wahrheiten exklusiv gesetzt wird, ist in ihrer Wirkung tendenziell einer Irrlehre gleichzusetzen. Zumindest trägt sie zur Uneinheit des Leibes Christi bei. Es ist zentral wichtig, angesichts der vielen Stimmen, die von allen Seiten auf uns eindringen, das biblische Gleichgewicht zu behalten. Das können wir nur, wenn Christus für uns konkurrenzlos wichtig und Mitte unseres Lebens und Dienstes bleibt.
3. Wir müssen uns mit den Geschwistern verbinden.
Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und der Vernetzung wird in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein, wenn wir Teil haben wollen an Gottes Plan für die Welt. Die Fähigkeit, Jesus im anderen zu sehen, wird entscheidend sein, um uns im Hinblick auf den grossen gemeinsamen Fischfang optimal zu vernetzen zu können. Wörter wie «konservativ» oder «charismatisch» werden überholt sein. Es gibt nur noch erneuerte Christen, die Jesus von Herzen lieben und mit seiner Liebe erfüllt der Welt dienen. Wir brauchen einander. Gemeinsam sind wir in Zeiten der zunehmenden Zerrissenheit und des Überhandnehmens eines egozentrischen Lebensstils ein starkes Zeugnis der Kraft, die in einem liebenden Miteinander liegt. Wir müssen wegkommen vom einem Denken, das sich um unser Werk, unsere Gemeinde dreht, zu einem Denken, das sich um die Förderung des Reiches Gottes dreht. Je mehr wir unsere Geschwister fördern, desto mehr wird Gott unseren Dienst fördern.
4. Wir müssen zur Ruhe kommen von unseren Werken.
In unserer wettbewerbsorientierten Zeit dreht sich alles um die beste Methode, die optimale Strategie und das perfekte Konzept. Dabei ist die einzige funktionierende «Methode» Jesus Christus, ob es nun um Evangelisation, Jüngerschaft, Heilungsdienst, Gemeindebau oder gesellschaftliche Transformation handelt. Nachhaltige geistliche Frucht ist die Folge davon, dass wir unser Leben und Tun täglich auf Jesus ausrichten. Leute, die eigenmächtig vorangehen und ihr Vertrauen mehr in Methoden und Konzepte setzen als in Jesus Christus, werden Gottes Wirken zunehmend im Wege stehen. Wir müssen bewusst regelmässige Zeiten der Ruhe und Entspannung einplanen, um uns von der biblischen Wahrheit füllen zu lassen und uns neu auf Gott auszurichten. Zudem ist es wichtiger denn je, das biblische Gebot der Sonntagsheiligung zu beherzigen. Nur so sind wir für das Christsein am Montag gerüstet.
5. Wir müssen uns fit halten für die grosse Ernte.
Wir müssen lernen, ein körperlich, seelisch und geistlich ausgeglichenes Leben zu führen. Ohne ein gewisses Mass an sportlicher Betätigung – das kann auch Gartenarbeit sein – werden wir weder die körperliche noch die seelische Fitness mitbringen, um der wachsenden Anzahl von Menschen dienen zu können, die in Zukunft auf unsere Hilfe angewiesen sind. Mangelnde körperliche Fitness beeinträchtigt den geistlichen Dienst. Wir müssen den Körper als Tempel des Heiligen Geistes pflegen und gut zu ihm schauen, ohne deswegen in einen Fitnesswahn zu verfallen. Wir Schweizer sind privilegiert mit einer wunderbaren Natur, die erwandert werden will. Dabei haben wir allen Grund, unseren Schöpfer anzubeten. Wenn wir anbeten, handelt Gott. Uns bleibt das Staunen ob Gottes wunderbarem Wirken. Burnout wird zu einem Fremdwort.
6. Wir müssen technologiefreie Räume schaffen.
Wir dürfen unser Leben nicht von der moderne Technologie diktieren lassen. Computer und Mobiltelefon sollen uns dienen und nicht in ein zusätzliches Korsett stecken. Wenn wir nicht lernen weise mit den modernen Medien umzugehen, werden sie bald unser Leben bestimmen. Es braucht Smartness, um smart mit Smartphones umgehen zu können. Fern-Sehen ist nicht identisch mit einer grossen Vision. Um für Gottes Visionen offen zu werden, brauchen wir einen freien Blick über das unmittelbar Drängende hinaus. Bei Audienzen mit Gott wollen wir nicht durch Telefonanrufe, SMS oder E-Mails gestört werden. Facebook kann dazu führen, dass wir keine Zeit mehr haben, die Wahrheiten des wichtigsten Buches, der Bibel, zu facen (ihnen ins Auge zu sehen). Wenn wir die moderne Technologie jedoch unter der Leitung des Heiligen Geistes einsetzen, kann sie zum grossen Segen werden.
7. Wir müssen diszipliniert Prioritäten setzen.
Ohne Disziplin bestimmen uns die Umstände. Disziplin heisst,
auf etwas zeitweilig zu verzichten, um ein höheres Ziel zu erreichen. Disziplin heisst, Prioritäten zu setzen und nein zu sagen zu zeitfressenden Aktivitäten, die zur Erfüllung unseres gottgegebenen Auftrags wenig beitragen. Wenn wir auf einem
Bereich Disziplin einüben, dann fällt uns Disziplin auch in
anderen Bereichen leichter. Disziplin heisst auf deutsch Jüngerschaft. Jüngern Jesu sollte es eigentlich einfacher fallen, diszipliniert zu leben, weil sie ein grosses ewiges Erbe vor
Augen haben (vgl. 1. Korinther 9, 24-27). Unsere genussorientierte Instantgesellschaft verleitet uns zu Disziplinlosigkeit. Wir
müssen lernen, täglich gemäss unserer Berufung Prioritäten zu setzen. Wir dürfen dabei auf die Gnade Gottes bauen, der sich
über jeden noch so kleinen Fortschritt von uns freut. Und wir werden erleben, wie wir für unsere Umwelt, und das ganz ohne Krampf, ein grosser Segen werden.
8. Wir müssen die Leitung des Heiligen Geistes suchen.
Gott weiss, was in Zukunft auf uns zukommt. Er behält bei allem immer schnelleren Wandel die Übersicht. Er macht entsprechende Pläne, in die er uns miteinbeziehen will. Um seine Pläne zu erkennen und seine Leitung zu erfahren, müssen wir immer neu unseren eigenen Vorstellungen absterben. Gleichzeitig brauchen
wir Zeit und Ruhe, um auf Gott und einander zu hören und Gottes
oft leise Stimme zu erkennen. Wir müssen lernen, gehorsam im Gleichschritt mit dem Heiligen Geist voranzugehen, wobei Gott die Hauptarbeit tut. Je mehr wir dem Heiligen Geist in unserem Leben, unseren Aktivitäten, unseren Gottesdiensten, unserem Zeugnis gegen aussen etc. Raum geben, desto mehr werden wir seine umwandelnde Gegenwart bei uns und bei andern erfahren. Oft können wir nur noch staunen über Gottes Wirken und fragen uns, ob wir eigentlich auch etwas dazu beigetragen haben.
