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Gesundes Selbstbewusstsein

von Christian Peier, Arzt / Medizin-Informatiker

 

Der ‚kleine Mann‘ betrügt Versicherungen und die Steuerbehörde, Professoren verkaufen Doktortitel, Manager kassieren unglaubliche Abfindungssummen und Politiker richten ihr Handeln nach der Medienpräsenz und ihrem Eigennutzen oder ihre Parteien verwickeln sich in Spendenskandale. Diese Aufzählungen liessen sich beliebig fortführen und durch die Zunahme von Gewalt und Kriminalität, Übertretungen im Strassenverkehr oder das (immer noch illegale) Kiffen ergänzen.

Das Bewusstsein von Werten der heutigen Gesellschaft löst sich immer mehr auf. Die Wertvorstellungen sind für jeden einzelnen autonom geworden. Somit herrscht für sie auch kein Werte-Verlust sondern lediglich ein „Werte-Wandel“, in welchem die traditionellen Werte in Frage gestellt bzw. abgelehnt werden.

 

Eine Gesellschaft ist aber nur dann überlebensfähig, wenn über ein Grundbestand an gemeinsamen Werten Konsens besteht. Doch gerade dieser Konsens wird heute immer schwieriger oder sogar unmöglich. Vor einigen Monaten hatte die berühmte Elite-Universität Harvard eine Schenkung von über 20 Mio. Franken für einen Ethik-Lehrstuhl erhalten. Nach eingehender Diskussion der Professoren war die Leitung zum Entschluss gekommen, das Geld mit folgender Begründung zurück zu geben: „Es sei nicht möglich gewesen, sich für gemeinsame Werte zu entscheiden und ohne eine Wertebasis sei Ethik nicht möglich“.

 

Ich bin überzeugt, dass Werte auch heute noch ihre Bedeutung haben, jedoch sind wir uns deren oft nicht mehr bewusst. Um so mehr ist es wichtig, sich im Klaren zu sein, einerseits welches Menschenbild ich habe und andererseits nach welchem Menschenbild mein Gegenüber lebt. Seminare über Menschenbilder werden mittlerweile, Gott sei Dank,  von verschieden christlichen Organisationen angeboten und sollen helfen, „bewusster“ mit Menschenbildern und deren Auswirkungen umzugehen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, für was Sie bei Ihrer Arbeit bezahlt werden? Ich behaupte, Sie werden weder für Ihre Intelligenz noch für Loyalität bezahlt. Ihr Arbeitgeber bezahlt Ihren Nutzen – Ihre Leistung. „Nutzen“, ein Wort welches oft mit einem negativen Beigeschmack verknüpft ist. Wer möchte schon ‚benutzt‘ oder sogar ‚ausgenutzt‘ werden? Im Gegensatz dazu steht unser Wert. Dieser wird glücklicherweise nicht durch den Arbeitgeber sondern auf zweifache Weise durch Gott bestimmt. Erstens ist jeder von uns beabsichtigt und gewollt. Wir sind kein Zufallsprodukt einer sinnlosen Evolution wie uns das gewisse Forscher kundtun wollen. Zweitens wurden wir durch Jesus teuer erkauft. Gott akzeptiert mich, weil Jesus meine Schuld bezahlt hat. Somit hat jeder Mensch einen begründeten Selbstwert oder mit anderen Worten, ist wertvoll.

 

Wenn wir uns diesem unscheinbaren Unterschied von Nutzen und Wert im Klaren sind, macht es uns nichts aus, auch mal „nutzlos“ sein zu dürfen (beispielsweise wenn wir arbeitslos sind). Auch wenn wir unsere Leistung nicht mehr erbringen bleiben wir in Gottes Augen wertvoll - weil er uns liebt!

Nur wenn wir uns dessen bewusst sind haben wir auch die Kraft, Widerstand gegen ‚falsche‘ Werte zu leisten (von denen es zu genüge gibt).

Ich finde es interessant, dass unsere Gesellschaft einerseits Werte wie Güte, Grosszügigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit oder Verständnis bewundert, sie jedoch als Symptome des Versagens ansieht. Im Gegenzug werden die Erträge von Habgier, Gewinnsucht, Gerissenheit, Gemeinheit Geltungsbedürfnis und Egoismus begehrt und als Erfolg angesehen.

 

Als Christen haben wir die Aufgabe, solchen Missständen entgegen zu wirken. Jesus ist dabei unser bestes Vorbild. Er ignorierte oberflächliche und äusserliche gesellschaftliche Werte und setzte sich mit Betrügern oder von der Gesellschaft ausgeschlossenen Randgruppen zusammen. Niemals hat er auch nur einen von ihnen abgewertet. Die Menschen wurden von ihm immer nur aufgewertet. Ebenfalls hat er den Menschen nie seine Werte aufgezwungen. Die von Jesus verkündeten Werte mussten so anziehend sein, dass viele sie freiwillig annahmen.

Das Geheimnis von Jesus lag darin, dass er die Menschen bewertete – jedem einzelnen einen Wert zusprach, ihn aufwertete und ihn besser machte. Jesus traute den Menschen etwas zu. Durch seine Liebe und Wahrheit brachte er eine neue Dimension in das alltägliche Leben der Menschen – damals und heute.

Durch die Bekehrung dürfen wir in diese neue Dimension eintauchen und erhalten einerseits eine Art intellektuelle Furchtlosigkeit, Dinge in Frage zu stellen, die nicht in Ordnung sind. Anderseits erlangen wir eine Art geistliche Furchtlosigkeit, gerade in schwierigen Situationen Gottes Massstäbe ins Spiel zu bringen. Wir sollen diejenigen sein, die aus Leidenschaft und mit Energie den Menschen Richtung und Hoffnung zeigen können.

Sind wir uns bewusst, dass Werte nur durch Menschen mit einer Wertebasis und Charakter weitergegeben werden können? Wissen hingegen kann auch durch charakterlose Personen vermittelt werden. Ich sehe es als unsere Aufgabe – als Missionsauftrag – den Menschen eine moralische Werterziehung vorzuleben. Ihnen zu zeigen was wertvoll bedeutet, was lebenswert heisst und was der Sinn des Lebens (aber auch des Leidens und Sterbens) ist. Wenn wir es nicht tun, wer dann?

Ich finde es toll, das wir Christen die besten Voraussetzungen haben dürfen, in der heutigen Gesellschaft mit unseren Werten ‚in Führung gehen‘ zu können. Als Christ erfülle ich die fünf wichtigsten Punkte, um anderen Menschen zu dienen, zu betreuen und sie zu führen:

1.Ich habe mich freiwillig der höchsten Autorität unterstellt und muss für mein Handeln die volle Verantwortung übernehmen. Dadurch bin ich weniger manipulierbar oder bestechlich.

2.Die persönliche Schuld wurde mir vergeben. Als Christ verbringe ich weniger Zeit mit mir selbst. Ich habe Zeit für andere, und meine Gedanken sind freier.

 

3.Persönlich kann ich mich als wertvoller Mensch akzeptieren. Ich kann somit besser mit Kritik umgehen und muss mich vor anderen auch nicht beweisen, weil ich einen intakten Selbstwert habe.

4.Ich bin befähigt, wahre Nächstenliebe zu leben weil ich Liebe empfangen habe. Ich kann führen und muss nicht kommandieren.

5.Die Angst vor der Zukunft fällt weg. Als Christ kann ich viel bewusster im Hier und Jetzt leben und meine Energie und Zeit auf das Wesentliche konzentrieren.

 

Ich bin mir vollkommen bewusst, dass nicht alle die genannten Eigenschaften zu 100% erfüllen – auch ich nicht. Aber ich möchte es, und ich wünsche mir und jedem von Euch, dass wir Menschen bewerten können, aufwerten und besser machen. Leben wir ihnen Liebe in Wahrheit so vor, wie Jesus sie uns vorgelebt hat.

Wenn wir uns Zeit nehmen und alle ernst zu nehmenden Wertmassstäbe auf dieser Welt kritisch anschauen, werden wir uns der Einzigartigkeit der biblischen Wertevorstellungen bewusst: Gott hat uns ein unglaubliches Angebot durch Jesus gemacht. Wir brauchen weder religiös noch leistungsfähig zu sein. In seinen Augen sind wir wertvoll – vergessen Sie das nie: sie sind gewollt und wertvoll!

Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 2/2003

 

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