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Selbstwert entwickeln

von Ruth Trachsel

 

Wege zu einem gesunden Selbstwertgefühl

Ganz gleich, wie unsere Vergangenheit verlaufen ist, jeder von uns hat die Aufgabe, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Die Voraussetzungen, unter denen wir uns dieser Aufgabe zu stellen haben, sind natürlich verschieden. Die eine Person hat von ihrer Kindheit her immer schon genügend Vertrauen in das Leben und Vertrauen zu sich selbst mitbekommen. Die andere Person wurde als Kind eher klein gemacht und entwertet. Sie hat es wesentlich schwerer mit dieser Aufgabe. Aber auch sie kann dazu kommen, ja zu sich und zu ihrer Geschichte zu sagen, sich auszusöhnen mit ihren Stärken und Schwächen und ihr einmaliges Selbst zu entdecken.

 

Die Annahme meiner selbst

Es kommt nicht darauf an, dass ich nach aussen hin sicher auftreten kann, sondern dass ich mich in meiner Einmaligkeit selber annehme. Ich muss mich zuerst von den Illusionen befreien, die ich mir über mich selber mache. Ich muss mich von meinen Tagträumen verabschieden, in denen ich mich als der grösste und schönste Mensch ausphantasiere. Annahme meiner selbst hat etwas mit Demut zu tun, mit dem Mut, mich als Menschen mit meinen Stärken und Schwächen anzunehmen und auszusöhnen.

Mich selber anzunehmen heisst auch, mich mit meiner Lebensgeschichte auszusöhnen. Wenn ich mich mit meiner Geschichte aussöhnen kann, werde ich auch erkennen, dass alles einen Sinn hatte.

Um mich selber annehmen zu können, muss ich das Vergleichen lassen. Solange ich mich mit anderen vergleiche, bin ich immer im Nachteil. Es gibt immer irgendwelche Begabungen, die andere haben und ich nicht. Wenn ich vergleiche, bin ich nicht bei mir, ich lebe immer nur im Vergleich zu anderen. Es kommt aber darauf an, bei mir zu sein, mich anzunehmen, mich gerne zu haben. Es hat auch keinen Zweck, nur die eigenen Stärken zu sehen oder die anderen abzuwerten, um mich so innerlich aufzuwerten, denn ich bleibe immer wieder im Vergleichen stecken und fühle mich unwohl.

 

Der Weg über den Körper

Ein wichtiger Weg, zu sich selbst zu kommen und bei sich zu sein, ist der Weg über den Körper. Der Körper ist ein Barometer, der anzeigt, wie es um mich steht. Wenn ich unsicher bin und Angst habe, halte ich die Arme verschränkt oder ziehe die Schultern hoch. Ich habe keinen Stand, man braucht mich nur anzutippen, dann falle ich um.

Ich kann über den Körper und durch das Stehen Stehvermögen einüben, indem ich mich zum Beispiel gerade und offen auf beiden Füssen hinstelle und mir vorstelle, dass ich wie ein Baum tief im Boden verwurzelt bin. Ich kann mir sagen: “Ich habe Stehvermögen. Ich habe einen Standpunkt. Ich kann für mich, für etwas einstehen”. Oder ich kann biblische Worte wiederholen:

“Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.” (Ps. 55, 23).

“Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Er steht mir zur Rechten. Ich wanke nicht.”(Ps. 16,8).

Ich muss bereit sein, meine Ansprüche und Massstäbe loszulassen und mich Gott anzuvertrauen, der allein wahren Halt und Selbstwert schenkt.

 

 

Wege des Glaubens

Der Glaube an Gott will mir zeigen, wer ich eigentlich bin und woher ich meinen wahren Wert beziehe. Das Vertrauen auf Gott kann ich einüben und lernen und meinen Selbstwert entdecken, z. B. durch die Meditation von Worten aus der Bibel:

“Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich mit dir und durch Ströme, dann reissen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen – weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ch dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker” (Jes. 43, 2 – 4).

Appelle an mich selber wie z.B. “du musst keine Angst haben, du musst nur vertrauen” helfen oft nicht und können die Angst nicht vertreiben. Das Vertrauen auf Gott muss wachsen. Es muss auch das Unbewusste durchdringen und prägen. Es kann wachsen, wenn ich die Worte Gottes schmecke und kaue, wenn sie immer tiefer in mich hineinfallen. Dann verwandeln sie mich allmählich und schaffen in mir mehr und mehr Vertrauen und Zuversicht.

In der Meditation der biblischen Worte will ich nichts erzwingen, auch kein Selbstvertrauen. Ich lasse in den Worten der Bibel Gott selbst an mir wirken. Ich halte mich und mein mangelndes Selbstwertgefühl Gott hin, damit er es mit seinem Wort, seinem Geist und seiner Liebe durchdringt.

 

Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 2/2003

 

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