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Barmherzigkeit – das Zeugnis echter Nachfolge Jesu

Von Martin von Känel

 

Von Martin von Känel

Wieso glauben Sie an Jesus Christus? Ist es die Angst vor Höllenqualen oder sind es die Aussichten auf ein besseres Leben -  im hier und erst recht im Jenseits?

Kollegen die mit dem biblischen Glauben wenig anfangen können, bezeichnen uns Christen gerne als Heilsegoisten! Sie argwöhnen, allein der Selbsterhaltungstrieb treibe uns zum Kreuz! Nichtgläubige entdecken angewidert den Hedonismus im Leben vieler Christen. Die Beziehung zu Jesus als Garantie und Sahnehäubchen für ein perfektes Leben? Ist es das, was Jesus meinte, als er sagte “mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“?

NEIN! Doch wenn wir die zwei biblischen Grundwerte von „Gerechtigkeit“ und „Liebe“ zu Gott und dem Nächsten durch die humanistischen Geltungen von persönlicher „Freiheit“ und „Wohlbefinden“ ersetzen, sind wir schnell soweit. Vom pietistischen Erbe des „Bekennens und Handelns“ bleibt dann bloss ein billiger Bekenntnisglaube übrig!

Dabei ist gerade das diakonische Handeln ein zentraler Beweis unserer Nachfolge von Jesus Christus. Der Barmherzige dient, weil er Jesus liebt, das lernen wir aus der Endzeitrede vom Gericht in Matthäus 25. Meine Liebe zu Gott zeigt sich an der Liebe zum Nächsten; alles andere wirkt sehr theoretisch. Ob mein Herz vom Vater der Barmherzigkeit regiert wird, zeigt sich an meiner Haltung zu den Bedürftigen. Darum sagt Jer, 22,16 „Mich kennen heisst dem Armen zum Recht verhelfen“.

In den nächsten Tagen fahre ich mit meinen vier Jungs für einen Diensteinsatz unter Zigeunern nach Rumänien. Ich entdeckte dabei widerstrebende Gedanken in meinem Kopf: „Was willst du für diese als arbeitsscheu bekannten Menschen Zeit und Geld zu ver(sch)wenden?“ Liebe rechnet nicht, darum fahre ich trotzdem hin. Der konkrete Dienst deckt die Qualität meines Herzens auf.

Jesus musste sich niemals zwischen Evangelisation und Diakonie entscheiden. In seinem ganzheitlichen Verständnis wurde er beidem gerecht. Er verkündigte nicht bloss das Reich Gottes, und war daneben blind für die irdischen Probleme, er lebte das Reich Gottes zeichenhaft im Hier und Jetzt. Diakonie ist das Verfügbarmachen des vorhandenen Reichtums eines neuen Lebens mit Gott, und nicht bloss eine Reaktion auf die Not um uns herum.

Doch, wie können wir uns allenfalls von selbstverliebten Sofachristen zu diakonischen Nachfolgern entwickeln? Lukas 10,25 ff gibt einige Tipps:

 

1.        Hinsehen

Vom barmherzigen Samariter heisst es: „und als er ihn sah, hatte er Erbarmen mit ihm“. Hin- und nicht wegsehen, führt zum Schlüsselerlebnis der Betroffenheit. Lukas beschreibt Begegnungen mit Jesus oft einleitend: „..und er sah ihn an..“. Wir müssen die Menschen um uns herum mit den Augen Gottes zu sehen beginnen. Unser Glaube ist stark genug, die Fratze der Sünde und des Todes in den Blicken vieler Menschen zu ertragen. Gott bewegt unser Herz, wenn wir uns Zeit nehmen, anzusehen. Das ist ein aktiver Prozess; nicht wie beim Fernsehen, wo man bloss zusieht.

 

2.        Hintreten

Der Samariter lässt sich stören „und trat hinzu“. Anteilnehmendes Hinsehen führt ein liebendes Herz zum nächsten Schritt, im wörtlichen Sinn: Man tritt näher, nimmt die Hände aus den Taschen und packt an. Damit verbunden ist die Bereitschaft, eigene Termine und Bedürfnisse zurückzustellen.

 

3.        Verbinden und stützen

Gelebte Diakonie ist immer praktisch. Wer hinzutritt, sieht was zu tun ist. Viele Leute fragen im bequemen Hauskreissessel: Wo kann ich helfen, was ist zu tun? Diese Fragen klären sich, wenn man hinaus geht, hinsieht und hintritt. Plötzlich ist klar, „aha, da sind ja Wunden, lasst sie uns verbinden.“ Diakonie macht sich die Hände schmutzig und belastet sich. Dabei werden Fehler gemacht, auch das gehört dazu.

 

4.        Finanzieren

Als wäre die Störung und der Zeitverlust nicht genug, kostet Diakonie immer auch noch Geld! Die Liebe Gottes treibt uns zu selbstloser Investition in Hoffnungslose!
Eines meiner grössten Erlebnisse war, als ich nach Jahren einen Mann als befreiten Christen wieder traf, der mir als Junkie am Tag vor meiner Hochzeit das Flitterwochengeld stahl. Gott gibt dann und wann bereits hier eine kleine Dividendenausschüttung.

 

5.        Andere einbeziehen

Der Samariter kannte seine Grenzen, er reichte den versorgten Mann weiter. Nur gemeinsam mit Anderen gelingt es uns, Diakonie zu ertragen. Sonst brennen wir bald aus und sind schnell unbrauchbar. 

Wir leben mitten unter Menschen, die in nächster Nähe „unter die Räuber“ fallen:

  • Männern und Frauen wird durch Untreue die Familie geraubt
  • Junge Leute berauben sich ihrer Gesundheit mit Alkoholexzessen
  • Gierige Geldspekulanten rauben Familienvätern die Arbeitstelle
  • Betagte müssen ihr trautes Heim mit einem Pflegebett tauschen, weil niemand Zeit für sie hat.

Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Steigen Sie mit ein, in ein dienendes Leben nach Gottes Willen. Es entspricht selten einem Wellnesstrip, aber unser Glaube bleibt wach und das Herz weich.

 

Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 2/2008

 

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