Diakonie als Lebensfunktion der Gemeinde Jesu Christi und ihrer Gemeinschaften
Vortrag von Schwester Esther Herren, zusammengefasst von Evy Osswald
Was denkt „man“ beim Wort Diakonie?
An eine Diakonisse, eine Krankenschwester, eine von früh bis spät dienende Frau? Oder wie ein Kind sagte: „Gäll das isch d’ Frau vom Liebe Gott.“ Oder ein anderes: „Gäll Mami, da vorne lauft e Delikatesse.“
Aus den Ordnungen des Diakonissenhauses
Diakonissen sind Frauen, die sich in ihrem persönlichen Leben, im Miteinander und im Wirken an Jesus Christus, dem Ur-Diakon, orientieren und sich dazu von ihm dienen lassen.
Zudem sind Riehener Diakonissen berufen zu mündigem Gehorsam, Anspruchslosigkeit, Ehelosigkeit in verbindlicher Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft.
Der Ursprung
Jesus war der Ur-Diakon, der sich nicht zu gering fühlte, den andern die Füsse zu waschen. Die erste Gemeinde kam zusammen zum Gebet, bildete eine Gemeinschaft und teilte Hab und Gut. Die Liebe wuchs, auch die Gastfreundschaft wurde gepflegt und durch Predigen gaben die Gemeindeglieder Zeugnis.
Die Lebensfunktionen der Gemeinde
Mit der Zeit fiel diese Einheit auseinander und damit gab es auch kein Kreuz mehr im Mittelpunkt. Mit der Etablierung der Kirche ging manches von der ursprünglichen Klarheit verloren. Menschen, die das Evangelium wieder radikal zu leben versuchten, schlossen sich zu Gemeinschaften zusammen. So entstanden nach und nach verschiedene Orden, die belebend in der Kirche wirkten. Aber auch diese wurden mit der Zeit alt und mussten erneuert werden.
Gott wählt immer wieder Menschen, die sich zum Dienst am Nächsten rufen lassen. Luther wollte die Orden nicht abschaffen. Die Reformation wurde mit der Abschaffung der Klöster radikaler, als er es sich gedacht hatte.
Neuer Aufbruch
Im 19. Jahrhundert gab es einen neuen Aufbruch. Diakonissenhäuser entstanden als Lebens- und Glaubensgemeinschaften im Dienst an Kranken. Sie gerieten teilweise unter Verdacht, „mönchisch“ zu sein und wurden genötigt, ihre Existenz mit ihrem Dienst zu rechtfertigen – eigentlich völlig unevangelisch! Denn das Engagement für die Notleidenden wächst heraus aus dem Gottesdienst und der gelebten Gemeinschaft. Es darf nicht davon getrennt werden. Wie es aussieht, muss je neu geprüft werden.
Henry Nouwen, Arche Gemeinschaft: Es ist wichtig, wachsam zu sein und auf die Zeichen der Zeit zu achten.
Die Hauptfächer im gemeinsamen Leben sind: Vergeben und feiern. Dann gilt es aus der Gemeinschaft ausbrechen, um andern Menschen in Jesu Liebe nahe zu sein. Auch die Sendung zu Benachteiligten gehört zum Evangelium.
Vielseitiges Diakonissenleben
Schwester Lydia arbeitete in der Krankenpflege, ging dann in die Mission, kam zurück ans Spital und übernahm Leitungsaufgaben, betete viel und fand eine neue Aufgabe als Gastgeberin und Seelsorgerin in einem Arbeiterquartier, wo sie mit zwei andern Schwestern zusammen lebte und betete. Sie wirkten in dieser Umgebung in einer Art, dass ein Kind sagte: „Det isch d’ Wohnig vom Liebe Gott.“
Schwester Esther ist als Mitglied der Leitung oft weit weg von den Notleidenden. Sie fragte Gott, wo sie sich nebst dem Teilnehmen an Sitzungen und Protokolle schreiben konkret einsetzen könne. Die Antwort kam bald: Sie betreute und begleitete dann eine Asylantin, die hätte ausgewiesen werden sollen, bewegte Herzen, so dass die Frau jetzt dableiben kann.
Wir alle brauchen Mut, um die Berufung als Jünger Jesu zu empfangen und unser Leben danach auszurichten.
Sr Esther Herren gehört zur Hausleitung, wohnt aber in der Stadt und kommt mit dem Velo ins Diakonissenhaus. Sie unterstützt ein Projekt in Afrika und beschäftigt sich mit Randständigen. Das ist ihr wohl in die Wiege gelegt worden, denn ihr Vater war Stadtmissionar. Schwester Esther hat auch eine schöne Stimme und leitet den Chor.
Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 2/2008
