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Diakonie, was heisst das konkret?

Von Dr. med. Michel Pickmann

 

Wenn wir das Wort „Diakonie“ hören, dann gehen uns verschiedene Gedanken durch den Kopf: Heisse Suppe im Winter, Heilsarmee, Missionsspitäler, therapeutische Wohngemeinschaften, Gassenarbeit usw. Ist nun aber wirklich alles, was irgendwie mit sozialem Engagement in Verbindung steht, diakonisches Handeln?

 

Diakonie - diakonia - dienen

Das Wort „Diakonie“ leitet sich aus dem griechischen Wort „diakonia“ ab und heisst so viel wie „dienen“. Man kann sich die Frage stellen, ob das Abgeben von Essen an Arme diakonisches Handeln ist, oder ob der Arzt, der sich lediglich auf den Körper beschränkt, auch diakonisch handelt ebenso wie die CgH-Absolventin, die ihre Klienten ganzheitlich an Körper, Seele und Geist behandelt. Wir leben in einer Kultur, die hauptsächlich humanistisch geprägt ist. Im Humanismus ist Gutes tun eine Pflicht und auch eine Tradition. Dementsprechend werden diakonische Institutionen in der Öffentlichkeit vor allem darin wahrgenommen, dass sie eben Gutes tun. Dass dabei der christliche Glaube irgendwie im Spiel ist, wird fast völlig ausgeblendet, weil man damit nichts anfangen kann. Der Glaube ist eben nichts Konkretes, man kann ihn nicht so wahrnehmen wie wenn jemand sich sozial engagiert.

 

Diakonie - Herzenshaltung

Diakonie ist etwas anderes als eine humanistische Tradition. In erster Linie kommt es auf die Herzenshaltung und die daraus entspringende Motivation an. Diakonisches Handeln hat seinen Ursprung in den beiden zentralen Geboten, in denen es heisst, wir sollen Gott lieben, und wir sollen den Nächsten lieben wie uns selber. Die Liebe zu Gott kann nur aus einer persönlichen Beziehung zu Ihm heraus geschehen. Und diese Liebe hat ihren Ursprung in der Erkenntnis, dass Jesus uns Menschen auf eine Art und Weise gedient hat, die Ihn sein Leben kostete. Doch Jesus ist auferstanden, Er lebt. Ich kann tagtäglich diese Liebe, die Er für mich und letztendlich für alle Menschen auf dieser Welt hat, erleben, wenn ich mich dafür öffne. Jesus hat die Menschen mehr geliebt als sich selber. Jesus als Sohn Gottes und König dieser Welt hat sich derart selber erniedrigt, dass Er sogar für uns Menschen starb, damit wir durch Ihn Vergebung unserer Schuld und dadurch ewiges Leben im Reich Gottes empfangen dürfen. Er verlangt von uns nicht, dass wir für andere Menschen sterben müssen. Aber Er verlangt, dass wir den Nächsten so lieben wie wir uns selber lieben.

 

Die Liebe von Jesus weiter geben

Wer diese Liebe von Jesus erlebt, in dem beginnt der Wunsch aufzukeimen, diese Liebe weiter zu geben. Da wir in einer gefallenen Welt voller Nöte und Leiden leben, liegt es auf der Hand, dass lieben bedeutet, dem Nächsten in seiner Not zu begegnen. Wie das konkret aussieht, spielt letztendlich keine Rolle. Wenn eine Person in einem Hauskreis in finanziellen Nöten steht, und der Hauskreis legt Geld zusammen, so ist dies genauso diakonisches Handeln wie die Tätigkeit einer Missionsärztin oder das Zuhören, wenn uns jemand sein Herz ausschüttet.

 

Die Stunde der Wahrheit

Im Grunde genommen schaffe ich das gar nicht, den Nächsten zu lieben. Gutes tun kann ich ihm schon. Aber was mache ich, wenn der Nächste mir unsympathisch ist, vielleicht nicht meine Sprache redet, Drogen konsumiert, mir Böses wünscht? Im Grunde genommen schlägt für die Diakonie die Stunde der Wahrheit dann, wenn ich für mein Handeln keine Dankbarkeit ernte, sondern nur Hass und Verachtung. Dann verschliessen wir uns reflexartig und beginnen in Gedanken, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Das ist die normale menschliche Reaktion. Dann muss Gott mir helfen, den Nächsten so zu sehen, wie Er ihn sieht. Es ist unfassbar, dass Jesus während 3 Jahren in engster Gemeinschaft mit seinem späteren Verräter zusammen lebte. Obwohl er wusste, was Judas tun würde, schenkte Er ihm seine ganze Liebe. Diakonisches Handeln beginnt im Herzen, nimmt den Weg übers Gebet und findet dann den Weg zum Nächsten.

 

Quelle: Publiziert CDK-Bulletin 1/2008

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