Geistliches Prinzip der Shabbatruhe
von Dr. med. Michel Pickmann, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
Anlässlich der CDK-Tagung 26. Februar 2011, Diakonissenhaus Riehen
Ich habe mir einige Gedanken gemacht über das Thema „Strategie“ und CDK. Zuerst dachte ich daran, wie CDK sich wohl weiter entwickeln wird und was hier in der Schweiz wichtig ist im Gesundheitswesen, damit noch mehr Menschen erreicht werden.
Jedoch ist mir dann etwas ganz anderes wichtig geworden. Ich möchte es als „Kernstrategie“ bezeichnen. Diese hat nicht mit dem Wirken nach aussen, sondern mit dem Wirken nach innen zu tun. Fangen wir dabei an mit der Frage: Herr, wie können wir in Deinem Plan, den Du für diese Welt hast, in dieser Zeit wirksam sein?
Wirksamkeit beginnt in der Qualität der Beziehung zu Christus.
Hier liegt das Geheimnis für ein effizientes und wirksames Leben. Wenn wir in der innigen Verbindung mit Jesus leben, dann beginnen wir zu erkennen, ob wir diejenigen Werke tun, die Jesus für uns vorbereitet hat, oder ob wir irgend etwas in dieser Welt nachjagen, auch wenn es ein noch so christliches Werk ist, das äusserlich gesehen sehr geistlich und interessant scheint. Die Qualität der Beziehung zu Christus ist so wichtig. Dabei geht es nicht darum, wieviel Zeit ich ins Bibellesen und ins Gebet investiere. Sondern es ist wichtig, ob Jesus mich haben darf, sozusagen mit Haut und Haaren. Susanna und ich beschäftigen uns seit einigen Jahren mit dem Thema „Exerzitien“. Dabei machen wir immer mehr die Erfahrung, dass in der Stille, im Warten vor Gott, vieles so unwichtig wird, und eine innere Klarheit entsteht, in der man das Reden Gottes viel deutlicher hört. Es geht dabei nicht darum, dass ich Gott habe, sondern dass Gott mich hat. Dass ich hinhalte, damit der Heilige Geist in mir und an mir wirken kann. Denn wir brauchen dringend diese Perspektive, die Gott hat, die Art, wie Er die Welt anschaut. Wir leben ja in der Endzeit, und seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 sind wir dem Ende der Endzeit ein gewaltiges Stück näher gekommen. Die enormen Umwälzungen in Nahost und in Nordafrika zeigen uns, wie schnell Gott etwas verändern kann auf dieser Welt. Es ist strategisch ausserordentlich wichtig, dass wir die Heilsgeschichte verstehen, dass wir realisieren, dass Gott sich danach sehnt, dass Israel zu ihm zurückkehrt und dass die Heidenchristen auf der ganzen Welt in diesen Oelbaum Israel eingepfropft werden. Und dass Jesus nach Jerusalem zurückkehrt, um Sein tausendjähriges Reich aufzurichten auf dieser Welt. Deshalb stellt sich für uns die Frage: Herr, was ist Dein Wille für mein Leben unter dieser endzeitlichen Perspektive?
Ich glaube, dass es der Wille Gottes für jeden Menschen ist, dass er hier auf dieser Erde zu einer Herzensbeziehung zu Jesus findet und dass er lernt, gehorsam das zu tun, was Gott ihm aufträgt. Dabei geht es nicht primär um die Frage, was ich tun soll, sondern es geht um die Frage, warum ich es tue. Aus welcher Motivation heraus lebe und handle ich auf dieser Welt? Habe ich ein weiches Herz, das sich z.B. über andere Menschen erbarmt. Wenn wir den Menschen in Spitälern, Pflegeheimen usw. von Jesus erzählen sollen, dann ist nicht nur das wichtig, was wir erzählen, sondern es ist wichtig, ob die Menschen etwas von dieser tiefen Verbundenheit, die wir mit Jesus haben, spüren können. Dass etwas von diesem lebendigen Wasser aus unseren Herzen fliesst und andere Menschen erreicht.
Also, es hat strategisch gesehen absolute Priorität, dass wir die Beziehung zu Jesus intensivieren und in die Tiefe zu Seinem Herzen hin
wachsen. Dies wird unser Leben, unseren Dienst – und auch das CDK - beeinflussen wie sonst nichts anderes.
Damit wir in dieser Beziehung lebendig bleiben und unsere Arbeit effizient
und wirkungsvoll leisten können, also nicht ausbrennen, ist es wichtig, dass wir das geistliche Prinzip der Shabbatruhe begreifen.
Gott hat 6 Tage der Woche geschaffen, an denen wir arbeiten. Aber den 7. Tag hat Er geschaffen, damit wir ausruhen können. Dieses Prinzip, das ich meine, finden wir auch in diesem alten klösterlichen Begriff „Ora et Labora“ – bete und arbeite. Oft verstehen wir es allerdings umgekehrt: Arbeite und bete. Ich selber habe jüdische Wurzeln, und seit bald 20 Jahren halten Susanna und ich mehrheitlich die Shabbatruhe ein. Das heisst, von Freitag- bis Samstagabend arbeite ich nicht, wir nehmen uns bewusst Zeit für Erholung, Entspannung, Gebet, Austausch, Hören auf Gott usw. Ich freue mich jeweils schon am Freitag auf den Abend. Mein Körper, meine Seele, mein Geist sind auf diesen Rhythmus eingestimmt, so wie wir alle darauf eingestimmt sind, dass wir uns in der Nacht erholen können. Evan Roberts, der berühmte Erweckungsprediger von Wales, der im Jahr 1905 und 06 von Gott so mächtig gebraucht wurde, predigte während eineinhalb Jahren an jedem Tag, ohne Pause, bis er zuletzt seinen Dienst quittieren musste, weil er völlig erschöpft und ausgebrannt war. Er hat sich für den Rest seines Lebens, der immerhin noch fast 50 Jahre betrug, völlig zurückgezogen und war nicht mehr in der Lage, eine Tätigkeit nach aussen zu versehen. Viele Leute haben sich gefragt, was wohl geschehen wäre, wenn Evan Roberts mit seinen Kräften haushälterischer umgegangen wäre und er in der Lage gewesen wäre, in allen Erdteilen zu wirken.
Also, es hat strategisch gesehen absolute Priorität, dass wir die Beziehung
zu Jesus intensivieren und bei Ihm zur Ruhe kommen. Und es ist absolut wichtig, dass wir unterscheiden können, wann wir ruhen sollen, und wann wir arbeiten sollen. Nur in der Ruhe werden wir von Gott erfahren, was Seine Pläne für uns und unser Leben ist. Und nur aus der Ruhe heraus werden wir in der Lage sein, Ihm zu dienen. Jesus hatte sehr viel Zeit in der Gegenwart des Vaters verbracht. Anders hätte Er Sein Leben nicht zu Ende bringen und Seinen Auftrag auf dieser Welt nicht erfüllen können. Umso mehr sind wir selber darauf angewiesen, auch in der Beziehung zum Vater Nachfolger von Jesus zu sein. So wünsche ich also uns, und dem CDK, dass weiterhin eine reiche Frucht entstehen darf und dieses Werk weiterhin Gott am Herzen liegt und dass Er das CDK gebrauchen kann für Seine Pläne in dieser herausforderungsreichen Zeit.
